Evangelisches Krankenhaus Bethanien

Wir begleiten

Suchterkrankungen

Was Sie über die Erkrankung wissen sollten

Was macht eine Sucht aus? Menschen empfinden manchmal ein unüberwindbares Verlangen nach einer Substanz, die sie nicht steuern können und die sie völlig beherrscht, obwohl es aufgrund des Konsums langfristig zu erheblichen negativen Folgen für sie kommt. Der kurzfristige Belohnungseffekt ist jedoch verlockend. Oft hilft die Substanz, unangenehme Gefühlszustände wie Anspannung und Ängste schnell zu beenden oder auch angenehme, berauschende Gefühle herbeizuführen.

Eine Abhängigkeit wird heute als eine Krankheit gesehen, die eine Behandlung nötig macht. Suchtverhalten ist keine Charakterschwäche, für die man sich schämen müsste. Falls auch Sie einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit bei sich vermuten, scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu suchen. Wenn Sie Ihr eigenes Konsumverhalten überprüfen möchten, finden Sie im Folgenden einige Anhaltspunkte.

„Psychotrope Substanzen“ werden umgangssprachlich auch als Drogen bezeichnet. Das sind Substanzen, die im Belohnungssystem unseres Gehirns sogenannte Neurotransmitter (Dopamin, Serotonin, Adrenalin) ausschütten. Diese lösen wiederum in unserem Körper stimulierende, rauschähnliche Zustände aus. Das fühlt sich kurzfristig gut an und führt dazu, dass wir diesen Zustand immer wieder erleben möchten. Bei andauerndem Konsum entsteht im Verlauf eine psychische Abhängigkeit. Im Laufe der Zeit gewöhnt sich auch unser Körper an die Substanz und es kann sich bei bestimmten Substanzen (Opiate, Benzodiazepine, Alkohol) auch eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, Herzklopfen oder Krampfanfälle treten auf, wenn die psychotrope Substanz nicht oder nicht ausreichend konsumiert wird. Entzugssymptome können sehr schwerwiegend und sogar lebensbedrohlich sein. Darum sollte ein Entzug nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Auch Alkohol ist eine psychotrope Substanz. Anders als illegale Drogen ist Alkohol in unserer Gesellschaft akzeptiert und gehört bei vielen Gelegenheiten einfach dazu. Aber wie viel ist zu viel? Bin ich schon Alkoholiker, wenn ich jeden Tag ein Bier trinke?

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Insgesamt trinken 10% der Bevölkerung (Männer sehr viel häufiger als Frauen) so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit gefährden – häufig ohne sich selbst darüber bewusst zu sein.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Alkoholkonsum bedenklich ist (d.h. es liegt ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit vor), dann beantworten Sie folgende Fragen ehrlich:

  1. Haben Sie jemals daran gedacht weniger zu trinken?
  2. Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass Sie von anderen wegen Ihres Alkoholkonsums kritisiert wurden?
  3. Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt?
  4. Haben Sie jemals morgens als Erstes Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen Kater loszuwerden?

Zwei oder mehr Ja-Antworten weisen auf einen Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit hin. Wenn dies auf Sie zutrifft, sollten Sie ärztlichen Rat suchen oder sich an eine Beratungsstelle wenden.

Diagnosekriterien: Missbrauch vs. Abhängigkeit

Wir sprechen von einem schädlichen Gebrauch, wenn der Substanzkonsum trotz des Eintretens schädlicher Folgen (z.B. gesundheitliche Beschwerden, private und berufliche Schwierigkeiten) fortgesetzt wird.

Zur Diagnostik einer Abhängigkeit gibt es 6 Kriterien. Mindestens 3 davon müssen erfüllt sein, um die Diagnose zu stellen:

  • übermächtiger Wunsch/starkes Verlangen, eine bestimmte Substanz zu konsumieren
  • verminderte Kontrollfähigkeit (was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft)
  • körperliche Entzugssymptome bei Beendigung des Konsums
  • Konsum, um die Entzugssymptome zu mildern
  • Toleranzbildung: Konsum immer größerer Mengen, um den gewünschten Effekt zu erzielen
  • Vernachlässigung anderer Interessen und Verpflichtungen: die Droge wird zum Lebensmittelpunkt
  • anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweis schädlicher Folgen (körperlich, psychisch, sozial)

Was Sie über die Behandlung wissen sollten

Der Ablauf einer Abhängigkeitsbehandlung kann grob in vier Phasen eingeteilt werden. Der individuelle Behandlungsverlauf kann jedoch sehr unterschiedlich sein.

Der erste Schritt ist bekanntlich der schwerste. Hier geht es zunächst darum, bereit zu sein, über das eigene Konsumverhalten kritisch nachzudenken und sich gegebenenfalls zu einer Veränderung bisheriger Gewohnheiten zu entschließen. An dieser Stelle helfen Suchtberatungsstellen oder der Hausarzt weiter.

Die qualifizierte Entzugsbehandlung umfasst nach einer eingehenden suchtspezifischen Diagnostik und der körperlichen Entgiftung Maßnahmen zur Behandlung des akuten Entzugsyndroms sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Änderungsbereitschaft und –kompetenz. Außerdem wird ausführlich über die weiterführenden Behandlungsmöglichkeiten informiert. In unserer Klinik bieten wir eine stationäre Entzugsbehandlung von Alkohol, Medikamenten und Drogen an. Bitte beachten Sie die Aufnahmebedingungen sowie die jeweiligen Stationsregeln. (Station 8, Station 7). Im Anschluss an die Entzugsbehandlung ist auch eine teilstationäre, suchttherapeutische Behandlung durch unsere Tagesklinik (TK8) möglich.

In der Entwöhnungsbehandlung geht es darum, mehr über sich selbst herauszufinden und zu erfahren, welche Rolle die Sucht im Leben spielt. Das Suchtverhalten muss kritisch hinterfragt und gezielt verändert werden. Schließlich müssen die neu erlernten Verhaltensweisen im Alltag zur Gewohnheit werden. Wir bieten Ihnen eine ambulante Entwöhnungsbehandlung über unsere Suchtberatungsstellen sowie eine stationäre Entwöhnung von Alkohol und Medikamenten über die Fachklinik Gristower Wiek. Zuvor ist die Beantragung einer Rehabilitationsbehandlung beim zuständigen Kostenträger notwendig (Rentenversicherung, Krankenkasse, Beihilfestelle).

Gerade in den ersten Monaten nach einer Entwöhnung kommt es nicht selten zu Rückfällen in alte Verhaltensmuster. Die Nachsorge hilft dabei, die neu erlernten Strategien langfristig in den Alltag zu übertragen. Hier können Krisen und mögliche riskante Situationen suchttherapeutisch besprochen werden, um möglichen Rückfällen vorzubeugen. Außerdem können weiterführende Kontakte vermittelt werden (beispielsweise zu örtlichen Selbsthilfegruppen). Eine ambulante Nachsorge bieten wir Ihnen in unseren Suchtberatungsstellen an.