Johanna-Odebrecht Stiftung

Hilfe und Herausforderung für Menschen durch Menschen

Geschichte der Johanna-Odebrecht-Stiftung

1856

stiftet Johanna Odebrecht ihr Vermögen zur Gründung eines Rettungshauses, sie setzt 4 Kuratoren – gottesfürchtige Männer aus der Stadt Greifswald ein, ihr Vorbild ist der Pfarrer Johann Hinrich Wichern aus Hamburg.

1900

Kauf eines Grundstückes von 7,5 ha in der Gützkower Landstraße.

1902 bis 1904

auf Bitte der Stadt Greifswald und mit dem von Johanna Odebrecht gestifteten Vermögen werden mehrere Gebäude als Rettungshaus errichtet. In den Häusern lebten unter der Obhut einiger Diakonissen aus einem Mutterhaus in Stettin 120 Mädchen im Alter von 14-18 Jahren aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Sie wurden im Hauswirtschaftsbereich ausgebildet und sollten so die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu können. Die Erziehung der Mädchen geschah getreu dem Vermächtnis der Stifterin im christlichen Sinne

1936

besetzte die nationalsozialistische Volkswohlfahrt die Stiftung. Der Einschnitt war schmerzlich, das Vermächtnis der Stifterin wurde ausgehebelt, die Kapelle als Werkraum genutzt.

1945

wurde am 15. Mai das Kuratorium – die Leitung der Stiftung – neu gebildet

1945 – 1948

waren viele Flüchtlinge in der Stiftung untergebracht, einige Häuser wurden als Außenstationen der Greifswalder Kliniken genutzt, 1948 die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Form eines Kinderheimes und eines Schülerheimes begann

1953

Haus 1 wird Krankenhaus Bethanien – es gehört strukturell zum Diakoniewerk in Ducherow, privat praktizierende Ärzte aus Greifswald hatten dort Belegbetten

1955

die Kapelle wird wieder eingeweiht

1957

Auflösung des Kinderheimes „Gotteslob“

1962

Einweihung des Seminars für kirchlichen Dienst – einer Ausbildungsstätte für Kinder-, Gemeinde-, Verwaltungs- und Wirtschaftsdiakoninnen

1965

das Feierabendheim mit 25 Plätzen wurde gegründet

1976

Errichtung der Fördertagesstätte für geistig behinderte Kinder und Jugendliche

1984

das Krankenhaus Bethanien wird auf das Fachgebiet Psychiatrie umgestellt Mit der Wende boten sich neue Entwicklungsmöglichkeiten, die von den damals Verantwortlichen beherzt und zupackend genutzt worden sind.

1991

wird das Evangelische Krankenhaus Bethanien, heute Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, in den Krankenhausplan des Landes Mecklenburg- Vorpommern aufgenommen. Die Gebäude werden saniert und erweitert, die Anzahl der Betten erhöht sich von 20 im Jahr 1984 auf 128 stationäre Behandlungsplätze und 25 tagesklinische Plätze heute. Das Krankenhaus ist in modernisierten- bzw. neu erbauten Gebäuden auf dem Stiftungsgelände. Umbau, Erweiterung und Neubau des Krankenhauses gingen in den vergangenen 10 Jahren schrittweise, aber stetig voran. Es ist ein Fachkrankenhaus entstanden, das keinen Vergleich zu scheuen braucht.

1992

wurde die Schule für Geistigbehinderte gegründet. Heute heißen diese Schulen in Mecklenburg- Vorpommern Schule zur individuellen Lebensbewältigung. Die Fördertagesstätte für geistig behinderte Kinder, 1976 mit 25 Plätzen ins Leben gerufen, war der Grundstock für die „Martinschule“. Als die Räume in der Stiftung zu klein wurden, zog die Schule mitten in ein Wohngebiet in eine ehemaligen Kinderkombination in Schönwalde I. Die Stiftung hat dieses Gebäude von der Stadt gekauft. Umbau und die Sanierung des Gebäudes haben begonnen.

1996

wurde das neue Altenhilfezentrum, das „Paul-Gerhardt-Haus“ eröffnet. Das kleine Feierabendheim mit seinen anfänglich 25 Plätzen im Jahr 1965 war der Grundstock. Das neue Gebäude, mit modernen Ein- und Zweibettzimmern und mit seinen 102 Plätzen hat sich gut etabliert. Neue Erkenntnisse und Entwicklungen in der Altenpflege werden dort von gut ausgebildeten Mitarbeitern umgesetzt. Sie pflegen nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, sondern arbeiten in deren Interesse mit den Hausärzten, Physio- und Ergotherapeuten , den Angehörigen und Betreuern zusammen.

1998

Einweihung der Fachklinik für Abhängigkeitsrehabilitation – diese Fachklinik ist ein junger Arbeitsbereich in der Stiftung. Die Arbeit einer Kurzzeitentwöhnung konnte dort aufgebaut werden. Das Konzept ist stimmig und ermöglicht den Patienten einen guten Ausstieg aus der Suchterkrankung. Eine Erweiterung dieser Arbeit wird vorbereitet. Diese Rehabilitationsmöglichkeit ist ein interessantes Angebot für Menschen, die noch im Beruf stehen und ausreichend soziale Kontakte haben.

1999

Übernahme der Trägerschaft für die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Greifswald – Anklam -Wolgast. 2000 Übernahme der Trägerschaft für die Suchtberatungsstelle Bergen / Rügen 2001 Die Martinschule zieht übergangsweise in ein Schulgebäude der Stadt. Das Martinschulgebäude wird umgebaut und zu Beginn des Schuljahres 2002/2003 wieder bezogen. Ein Glockenturm, errichtet durch Spendengelder, begleitet mit seinem Geläut von nun an den Schulalltag. In diesem Schuljahr wurde erstmalig eine Grundschulklasse eingeschult. Das „Evangelische Schulzentrum Martinschule“ – Schule zur individuellen Lebensbewältigung mit Grundschule – beginnt die Integration von Schülern mit geistiger Behinderung und Grundschülern.

2002

am 11.November beginnen die 100-Jahr-Feiern der Johanna-Odebrecht-Stiftung mit dem 10jährigen Jubiläum der Martinschule. Eröffnet werden die Festtage mit einem Festgottesdienst im Dom St. Nikolai und einem Vortrag zum Profil evangelischer Schulen. Reges Interesse finden die Vorstellung der Schulkonzeption, ein Blick in die Schulgeschichte, der Martinsmarkt und die Vorstellung des Schultheaters.

2003

im Mai richtet das Evangelische Krankenhaus Bethanien die 100-Jahr-Feier aus. Das Krankenhaus begeht sein 50jähriges Bestehen unter anderem mit einem Fachsymposium zum Thema „Seele, Kunst und Gehirn“. Namhafte Referenten mit interessanten Fachvorträgen und viele Gäste versammeln sich in der Kapelle der Stiftung. In einem weiteren Vortrag wurde die Geschichte des Evangelischen Krankenhauses Bethanien lebendig. Die Entwicklung des Hauses von einem Krankenhaus mit verschiedenen Belegärzte zu einer modernen Fachklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie spiegelt wider, wie die Stiftung den jeweiligen besonderen Herausforderungen der Zeit gerecht wird.

2004

im August beendet das Evangelische Altenhilfezentrum Paul Gerhardt mit der Darstellung seiner Arbeit in der stationären Altenpflege den Jubiläumsreihen der 100-Jahr-Feiern der Stiftung. Besonderer Schwerpunkt war die Darstellung der Altersdemenz und Hilfen zu ihrer Bewältigung für Angehörige und Pflegepersonal.

2004

zum Ende des Jahres beginnt die Erweiterung des Evangelischen Altenhilfezentrums Paul Gerhardt um 60 Einzelzimmer.

2005

zum 1. Januar erfolgt eine Änderung der Struktur der Arbeitsbereiche der Stiftung. Das Evangelische Krankenhaus Bethanien und das Evangelische Altenhilfezentrum Paul Gerhardt werden als rechtlich selbständige Unternehmen in Gestalt je einer gemeinnützigen GmbH geführt.

im Januar werden die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen in Ueckermünde und Pasewalk vom Kreisdiakonischen Werk Pasewalk-Uecker-Randow e.V. übernommen. 2005 im Juni eröffnet das Evangelische Krankenhaus Bethanien in Demmin eine Tagesklinik für psychisch kranke Patienten.

im Januar werden die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen in Ueckermünde und Pasewalk vom Kreisdiakonischen Werk Pasewalk-Uecker-Randow e.V. übernommen. 2005 im Juni eröffnet das Evangelische Krankenhaus Bethanien in Demmin eine Tagesklinik für psychisch kranke Patienten.

im Sommer ziehen die ersten Bewohner in den erweiterten Teil des Paul-Gerhardt-Hauses ein.

2006

im Juni zieht die Fachklinik für Abhängigkeitsrehabilitation nach Gristow ( 12 km nördlich von Greifswald ) und führt dort als „Fachklinik Gristower Wiek“ ihre Arbeit unter verbesserten Bedingungen weiter.

Im August erhält das Evangelische Schulzentrum Martinschule die Genehmigung vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft in Schwerin, mit der 5. Klasse die Arbeit als integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe fortzusetzen. Die Stiftung erwirbt von der Universitäts- und Hansestadt Greifswald ein weiteres Schulgebäude in der Nähe der Martinschule. Drei Schulklassen sind eingezogen. Die Renovierungsarbeiten werden fortgeführt. Im Sommer 2007 werden weitere Klassen das neue Gebäude beziehen.

Alle Arbeitsbereiche und Unternehmen der Johanna- Odebrecht- Stiftung stellen uns täglich neu vor die Aufgabe, die Nöte der Menschen zu sehen und fordern uns heraus ihnen Wege und neue Chancen zu eröffnen. Die Mitarbeiter der Stiftung in allen ihren Bereichen helfen die erfolgreiche Entwicklung der Stiftung zu unterstützen und weiterzubefördern.

Im Leitbild aus dem Jahr 1998 wird dieses Anliegen so beschrieben: „Im Mittelpunkt der täglichen Arbeit steht der Mensch, der Pflege, Betreuung, Begleitung, Beratung, Trost, Stärkung, Heilung, Förderung, Bildung benötigt. Das beinhaltet die Achtung seiner sozialen und kulturellen Bezüge und seiner religiösen Anschauungen. Ebenso wichtig sind eine kompetente Behandlung, ein partnerschaftlicher Umgang und das Bemühen um verstehen sowie eine verständliche Sprache. Dabei gilt es, jedem ein Höchstmaß an Qualität zu bieten. Die Arbeit orientiert sich immer an den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Grenzen des uns anvertrauten Menschen.“

Die Geschichte der Stiftung zeigt uns, daß wir auch durch Durststrecken hindurchkommen, wenn wir das christliche Anliegen Johanna Odebrechts in uns behalten.